4 in a box

eigentlich sollte ich an diesem Morgen mit blauem Himmel und Sonnenschein etwas Heiteres, Buntes zeigen… aber es gibt auch Erlebnisse, die durchaus nicht heiter und bunt waren.
Und so habe ich eine schwarz/weiß box gefüllt, die eine traurige und auch etwas gefährliche Geschichte erzählt.

In der kleinen Stadt an der Elbe – meinem früheren Wohnort – war vor ein paar Jahren ein Wanderzirkus. Ich bin zwar nicht der Zirkusfreund, dachte aber ein paar nette Impressionen von Mensch und Tier einfangen zu können.

Als ich am Vormittag – noch vor Öffnung – mit meiner Kamera dort erschien, wurde ich schon gleich misstrauisch beäugt. In Zeiten, wo alles mit smartphones und kleinen Taschencams knipst, fiel ich sicherlich mit meiner „Grossen“ samt Objectiv auf.
Als ich mich dann auf die „Käfige“ zu bewegte wurde ich sofort von zwei nicht gerade freundlich und vertrauenerweckend aussehenden Männern verfolgt und gefragt, von welcher Zeitung ich denn sei…
Meine Antwort: „es ist privat – einfach nur für mich“ war wohl für diese zwei nicht die Richtige.
Also gingen sie mit Abstand von zwei bis drei Metern ständig hinter mir her…
da hatte ich zum ersten Mal ein mulmiges Gefühl.

Ich ließ mich aber nicht weiter beirren und machte diese (und noch einige mehr ) Fotos, die das schreckliche Dasein der Tiere dokumentierten :

das Flusspferd in einem ganz normalen Container – in praller Sonne – mit dieser einzigen Öffnung zum Luft holen und Licht zu sehen…

das Nashorn, das zwar im Freien, aber auf einem Betonboden resignierend an einem alten Salatblatt schnuppert…

das Dromedar, welches deutlich Spuren von Verletzungen im Gesicht zeigte – sei es von zu engem Geschirr od. sogar Schlägen …

der Tiger mit dem traurigsten Blick den man sich vorstellen kann in seinem viel zu engen Käfigwagen… zwei Schritte hin – zwei Schritte zurück.

und dann waren da noch zwei Elefanten … 
diese hatten deutliche offene Wunden, die wohl von den Stössen mit dem Elefantenhaken herrührten.

Als ich gerade die Kamera hob um auch diese zu fotografieren, kam der anwesende „Wärter“ mit bedrohlich erhobenem Haken auf mich zu. Ich konnte nur noch schnell ein einziges Foto machen, das aber leider aufgrund der Situation total verwackelt war.

Dann nahmen mich meine beiden Verfolger plötzlich von beiden Seiten in die Zange und drängten mich fort.
Zusätzlich erschien dann auch noch eine Frau aus dem Nichts, die mich lauthals anschrie und bepöbelte. Was sie allerdings sagte konnte ich nicht verstehen, da das wohl in einer osteuropäischen Sprache geschah.
So von mehreren Seiten bedrängt – einer der Männer versuchte auch, sich meine Kamera zu schnappen – verzichtete ich auf weitere Fotos und drehte ab. Alle drei Personen verfolgten mich noch laut pöbelnd bis zum Ende des Platzes… 
und ich gestehe : ich hatte da zum ersten Mal in meinem Leben so richtig Angst und nur noch einen Gedanken : schnell weg und ins sichere Auto.

Am Nachmittag habe ich diesen Vorfall bei der örtlichen Polizei gemeldet: Bedrohung, Tierquälerei. Einen Tag später war dieser Zirkus verschwunden…

Die Fotos nahmen an einem Wettbewerb für Dokumentationen teil und wurden prämiert.
Meine Angst allerdings konnte ich lange nicht vergessen.

Ich habe längere Zeit überlegt, ob ich diese box mit dieser dazu gehörenden Geschichte für euch aufschreiben und zeigen soll. Aber auch so etwas gehört zu meinem Leben…

Lasst es euch gut gehen und passt auf euch auf!
♥ – eure Anne

4 Kommentare

  1. Oh man Annelie…ich weiß das noch wie gestern, als du das einmal in deinem Blog schriebst. Dein Bild war glaube ich auch in der Fotocommunity. Grad an das Nilpferd kann ich mich besonders gut erinnern!
    Welch ein Glück hattest du da, dass dir nichts passiert ist!!!

    Meine Box ist heute weniger dramatisch…aber sieh selbst http://www.wortperlen.de/kommentare/4-in-a-box-n-31….8104/

    Liebe Grüße

    Anne

  2. Was für eine traurige und hässliche Fotostory, liebe Anne,
    zum Glück ist Dir nichts passiert und du konntest vielleicht sogar etwas für die Verbesserung der Lebensumstände dieser gequälten Tiere tun.
    Inzwischen wird ja zumindest auch von offizieller Seite reagiert, wenn so etwas gemeldet wird. Die meisten Tiergehege und Zoos geben sich ja inzwischen wirklich Mühe, die Tiere so weit wie möglich artgerecht zu halten.

    Meine Box, in der ich das Thema etwas eigenwillig (hoffentlich für dich nicht zu eigenwillig) interpretiert habe, findest du hier:

    http://www.reflexionblog.de/2017/07/15/4-in-a-box-nr-33/

    Liebe Grüße
    moni

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